Kulturkreis Wienhausen

Seit über 70 Jahren fördert der Kulturkreis Wienhausen e.V. Kunst und Kultur in Wienhausen - im Sommerrefektorium vom Kloster Wienhausen.

Kulturkreis Wienhausen e.V. - eine über 70-jährige Tradition

Bei herrlichstem Wetter und ausgelassener Stimmung feierte der Kulturkreis Wienhausen im September 2017 auf dem Anwesen der Familie Westermann-Haubold sein Jubiläum.

Nach einer kurzen Begrüßung durch die Vorsitzende Äbtissin Renate v. Randow wurden die von den Mitgliedern mitgebrachten kulinarischen Spezialitäten genossen, unterbrochen von einem interessanten und informativen Kurzvortrag von Bernhard Meißner: Er zeigte den Mitgliedern auf, wie alles begann und welche Entwicklungen der Kulturkreis in diesen 70 Jahren erleben durfte – von einem kleinen Kreis kulturinteressierter bis hin zum 100. Mitglied, das am Tag der Jubiläumsfeier gewonnen werden konnte!

Für Unterhaltung sorgten „Les Chapeaux“, die Celler Violinistin Sabine Andrae und die Pianistin Lisa Michaelis mit Kaffeehausmusik-Klassikern. Ein Musikmärchen, vorgetragen von Hanna Seiler, stellte einen weiteren Höhepunkt dar. Ihre Erzählerstimme zog alle Zuhörer in ihren Bann.

Hier die Ansprache von Bernhard Meißner anlässlich unserer Feier (im amtlichen Bekanntmachungsorgan der Samtgemeinde Flotwedel immer an dem Kürzel "BMW" zu erkennen) mit wirklich interessanten und heutzutage teilweise zum schmunzeln geeignete Details aus der Vergangenheit des Kulturkreises:

© Kulturkreis Wienhausen e.V.

Sehr geehrte Frau Äbtissin! 
Meine sehr geehrten Damen und Herren!
 
Wir feiern heute im kleinen Rahmen das 70-jährige Vereinsjubiläum vom Kulturkreis Wienhausen. Der Verein wurde 1947 offiziell ins Leben gerufen und steht damit in der Wienhäuser Vereinsgeschichte an fünfter Stelle. Der älteste Wienhäuser Verein ist der Gesangverein Wienhausen von 1868, gefolgt vom Sportverein von 1910. 1930 wurde die Freiwillige Feuerwehr ins Leben gerufen und 1932 die Paddelvereinigung Wienhausen. 

Nun aber zurück zum Kulturkreis, der sich in seiner Mitgliederversammlung am 26. Oktober 1947 eine Vereinssatzung gab. Das Besondere an dieser Vereinssatzung ist, sie hat weder Paragraphen oder sonstige Nummerierungen. Leider geht aus den Unterlagen nicht hervor, wo die Versammlung stattgefunden hat. Wir können davon ausgehen, dass der 27. Oktober 1947 das Gründungsdatum ist. In der Satzung von 1947 heißt es u. a.: „Die Aufgabe des Kulturkreises ist es, das kulturelle Leben in Wienhausen und Umgebung zu fördern, die Teilnahme am geistigen Leben des Volkes zu ermöglichen und besonders die Jugend zu den Werten der Kunst und Bildung hinzuführen. Verantwortung und Verpflichtung gegenüber dem Mitmenschen sowie gegenüber dem kulturellen Erbe der Vergangenheit sind die Grundlage, auf der sich die Mitglieder über alle parteipolitischen Bindungen hinweg zu gemeinsamer Arbeit für den Neubau unseres kulturellen Lebens zusammenschließen."

Mitglied werden kann jeder, der diese Ziele bejaht und zu ihrer Verwirklichung beizutragen bereit ist. Um eine planvolle Vorbereitung von Veranstaltungen zu ermöglichen, wird ein Mitgliedsbeitrag erhoben. Er beträgt 1 RM und ist vierteljährlich im Voraus zu zahlen. 

Der Vorstand besteht aus fünf Mitgliedern und wird auf ein Jahr gewählt. Für das Veranstaltungsjahr 1947/1848 wurden in den Vorstand gewählt: Frau Äbtissin Mühry, Wienhausen (Bertha Müry war von 1934 bis 1954 Äbtissin). Frau von Wersebe, Oppershausen. Fräulein Snell, Wienhausen. Herr Amtsgerichtsrat a. D. Struckmann, Wienhausen. Herr Dr. Heumann, Offensen (Dr. Hans Heumann war Lehrer in Offensen von 1946-1951)." 1. Vorsitzender war Dr. Hans Heumann. 

In der Satzung ist weiter zu lesen: 

© Kulturkreis Wienhausen e.V.

„Die Mitgliedschaft wird durch Abgabe der ausgestellten Mitgliedskarte und Zahlung des Beitrages in der Gastwirtschaft Wienecke, Wienhausen, erworben. Formulare sind dort erhältlich." Gemäß der Verordnung Nr. 122 der Britischen Militärregierung musste die Satzung vom Landkreis Celle genehmigt werden. Die Verordnung machte keinen Unterschied zwischen politischen und unpolitischen Vereinen. Bei Nichtbeachtung dieser Verordnung kann durch ein Gericht der Kontrollkommission eine Strafe, außer der Todesstrafe, ausgesprochen werden. Mit dem 1. Vorsitzenden geht es meines Erachtens ein bisschen Durcheinander: Da heißt es, dass Herr Dr. Heumann den Kulturkreis geleitet hat, danach die amtierende Äbtissin. Dann habe ich in den Akten ein Schriftstück von 1948 gefunden, dass Frau Äbtissin Bertha Mühry als 1. Vorsitzende unterschrieben hat und 1954 hatte Maria von Wersebe aus Oppershausen den 1. Vorsitz inne. Aber jetzt läuft alles in geregelter Ordnung. 

Etwas stutzig wurde ich, als ich gelesen habe, dass schon vor dem Gründungsdatum 1947 Veranstaltungen des Kulturkreises stattgefunden haben. Damals hat sich wohl ein sogenannter „loser Kreis" es sich zur Aufgabe gemacht, der Bevölkerung gerade nach Beendigung des 2. Weltkrieges etwas Kulturelles zu bieten. Das Kloster Wienhausen stand diesem Thema offen gegenüber. In den Anfängen des Kulturkreises trugen z. B. der Wienhäuser Arzt Dr. Heinrich Esser, die Klosterdame Karin May und Dr. Hans Heumann eigene Lyrik vor. Dr. Drewsen aus Lachendorf zeigte Bilder. Dr. Marlis Heumann konzertierte auf dem Flügel, Graf von der Osten führte in das Gebiet der Meteorologie ein und vogelkundliche Wanderungen mit dem Celler Ornithologen Dr. Tiedemann wurden durchgeführt. 

Erst kürzlich habe ich im Stadtarchiv Celle einen Zeitungsartikel der Deutschen Volkszeitung vom 30. Oktober 1947 gefunden. Da fand eine Dichterlesung statt durch Amtsgerichtsrat a. D. Karl Struckmann, Wienhausen. Auch seine Gattin hat mit viel Einfühlungsvermögen Verse vorgetragen. Die Lesungen wurden umrahmt von Liedern, gesungen von Gertrud Schöndube. Am Flügel saß Frau Dr. Marlis Heumann. Anfangs fanden die Veranstaltungen vierteljährlich statt, seit ca. 30 Jahren werden jährlich 10 Veranstaltungen angeboten. 1956 
zählte der Verein 26 Mitglieder und 10 Jahre später (1966) waren es 29 Mitglieder. (...) Auf der Mitgliederversammlung am 26. April 1961, die im „Mühlengrund" stattgefunden hat, beteiligten sich 12 Personen. Dies waren: Äbtissin Louise Friedrichs, Frau Irwahn, Frau Erna Baumann, Frl. Meißner (Priorin), Herr Alfred Schmidt; Frl. Fendler; Frl. E. und D. Fiesel, Dr. L. Fiesel. (E. Fiesel = Elisabeth Fiesel; war laut Adressbuch von 1949 Klosterdame und wohnte im Kloster). 

Auf dieser Versammlung wurde der Beitrag rückwirkend zum 1. April 1961 erhöht und zwar von 1,25 auf 1,50 DM monatlich. Nichtmitglieder zahlten an der Abendkasse 2,-- DM und Schüler 1,— DM. Im Dezember 1954 lud der Kulturkreis zu einer Adventsveranstaltung ein. Frau Dr. Ingeborg Wittichen sprach über altes deutsches Weihnachtsbrauchtum. Am 15. Sept. 1960 trugen 70 Sänger der „Celler Stadtkantorei" geistliche und weltliche Lieder vor. Die Leitung hatte Kirchenmusikdirektor Dr. Jost Harro Schmidt. In der CZ vom 15.9.1960 konnte man u. a. lesen: „Wann werden wir diesen Chor wieder hören? Und ist für solche Besinnung die Agnes-Halle in Wienhausen nicht ein höchst geeigneter Raum, weil die Welt dort schweigen muss und die Seele reden kann?" 

Am 1. Oktober 1961, es war ein Sonntag und gleichzeitig Erntedankfest, sang „Die Hamburger St. Petri-Kantorei" im Kloster. Nicht im Sommerrefektorium, sondern in der Agneshalle unter dem Nonnenchor. Die erste Veranstaltung im Arbeitsjahr des Kulturkreises 1963/1964 fand im Oktober 1963 in der Agneshalle statt und zwar ein besinnliches Abendkonzert. In der Presse konnte man lesen: „Ließ auch die herbstliche Kühle keinen wohltemperierten Raum mehr erwarten (auch die Instrumente bekamen dies zu spüren), so waren doch viele Zuhörer erschienen, dass noch Stühle nachgeholt werden mussten." 

Interessant und auch in den Unterlagen zu lesen, wie sorgfältig man den Vortragenden den Weg zum Kloster erklärte: Im Jahre 1962 hat die Journalistin Hilde Gordon-Metterhausen aus Hannover einen Lichtbildervortrag gehalten. Das Thema hieß: „Die Israelis im modernen Israel". Die 1. Vorsitzende, Frau Äbtissin Luise Friedrichs hat u. a. an die Journalistin am 24.1.1962 folgendes geschrieben: „Sollten Sie mit der Bahn kommen, dann ist das Kloster vom Bahnhof Wienhausen in 12 Minuten zu erreichen. Es fährt aber auch ein Bus ab Bahnhof Celle nach Wienhausen in 25 Minuten bis zur Dorfmitte, von dort 5 Minuten bis zum Kloster. Ein Vorführapparat ist hier vorhanden für Normalgröße. " 

Am 1. März 1966 fand ein Kammermusikabend statt mit der Bratschistin Hedwig Thierfelder aus Osnabrück und der Pianistin Mechthild Landmesser aus Celle (Frau Thierfelder war später Äbtissin am Kloster Wienhausen). Auch ein Abend aus dem Wienhäuser Liederbuch hat stattgefunden mit dem Künstlerverein Celle und dem Lönsbund Celle. Den Vortrag hielt Dr. Paul Alpers. Der Abend fand nicht in Wienhausen statt, sondern in der Städtischen Union in Celle. Im Zeitungsartikel (leider undatiert) heißt es zum Schluss: „Die Zuhörer dankten Dr. Alpers für einen reichen Abend, an dem nur eines zu bemängeln: die Innigkeit des Wienhäuser Liederbuches hat uns erwärmt, der Muschelsaal der Union zeigte uns die kalte Schulter." 

© Kulturkreis Wienhausen e.V.

Mit großem Interesse verfolgte man im September 1973 den Lichtbildervortrag über die Wappenkunde, vorgetragen von Gebhard von Lenthe (damals Ritterschafts-Syndikus). Er begann seine Ausführungen mit dem Satz: „Von Heraldik verstehe ich nichts." Und dabei gab der unkundige Herr auf alle Fragen Auskunft. 

Warum in die Ferne schweifen dachten sich die Mitglieder des Kulturkreises und luden den Wienhäuser Arthur Mohwinkel zu einem Lichtbildervortrag ein mit dem Titel „Das Allertal war ein Wasserloch". Das war im Juli 1974. Im August 2004 hatte man das Hyperion-Trio eingeladen. Hier gab es zu Beginn der Veranstaltung eine kleine Panne. Als das Konzert begann, waren nur zwei der drei Musiker angekommen. Der dritte Musiker hatte sich verspätet und griff erst nach der Pause zu seiner Geige. In der CZ stand geschrieben: „Verspäteter Geiger wirkt im Kloster Wienhausen unkonzentriert." Ob der verspätete Geiger auch sein volles Honorar bekam, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. 

Bevor ich zum Schluss komme, möchte ich noch einmal Frau Haubold und Herrn Dr. Westermann Dank sagen für die Bereitstellung ihrer Räumlichkeiten. An den Kulturkreis richte ich die Bitte, das Kulturelle weiterhin zu pflegen und dabei das übermitteln des Gemeinschaftsgefühls nicht zu vernachlässigen. Ich gehe davon aus, dass der Verein auch in Zukunft seinen erfolgreichen 
Werdegang fortsetzen wird und dem Gemeindeleben in Wienhausen Frohsinn und Festlichkeit verleiht. Ihnen allen danke ich für das Zuhören und wünsche Ihnen weiterhin alles Gute, interessante Gespräche und viele gesunde Jahre. Vielen Dank. 

(Gefertigt von Bernhard Meißner, Wienhausen, (BMW) im August 2017). 

Hier folgen einige kleine Zeitungsartikel - leider ist uns teilweise nicht bekannt, aus welcher Zeitung sie stammen. Sollte jemand die Quelle kennen, wären wir für jeden Hinweis dankbar und veröffentlichen diese Quelle dann auch hier: